Rahmenplanung Grevenbroich Innenstadt

Wie entsteht eine resiliente Innenstadt für kommende Generationen?

Rahmenplanung Grevenbroich Innenstadt

Resilienz entsteht, wenn eine Innenstadt aus ihrem Ort heraus gestärkt wird und Wandel aushält. In Grevenbroich bedeutet das: die Kompaktheit nutzen, Stadt und Landschaft entlang der Erft enger verzahnen und klimaaktive öffentliche Räume schaffen, die kühlen, schützen und zum Verweilen einladen. So wird die Mitte alltagstauglicher – mit kurzen Wegen zwischen Wohnen, Versorgung und Erholung und einer Atmosphäre, die Identität stiftet. In Werkstattformaten arbeitete De Zwarte Hond zusammen mit Bürger*innen, Verwaltung, Politik am Stadtmodell. Maßnahmenspielkarten halfen, Ideen sichtbar zu machen, auf Schnitten räumlich zu verorten, Optionen zu vergleichen und Interessen offen abzuwägen. So entstanden greifbare Prioritäten – von der Stärkung der Erft über mehr Grün und Aufenthaltsqualität bis zu besseren Radverbindungen und lösbaren Querungen stark befahrener Achsen. Aus diesen Impulsen wurde ein räumlich‑strategisches Strukturkonzept entwickelt. Es setzt auf Dichte an den richtigen Orten, Nutzungsmischung und aktive Erdgeschosszonen, die Umnutzung geeigneter Bestände und qualitätsvolle Freiräume. Mobilität wird fuß und fahrradfreundlicher, Wege werden sicherer, die Innenstadt lebendiger – zum Nutzen von Handel, Gastronomie und Begegnung. So wächst Schritt für Schritt eine resiliente Innenstadt für kommende Generationen: anpassungsfähig, klimaresilient und getragen von einem gemeinsamen Verständnis der Stadtgesellschaft

data

Ort
Grevenbroich, DE
Umfang
32 ha
Auftraggeber
Stadt Grevenbroich
Disziplin
Städtebau, Strategie
Programm
Entwurfsbasierte Forschung, Gewerbe & Büros, Masterplanung, Urbanisierungsstrategie
Periode
2024-2025
Status
In Entwicklung

Ausgangslage und Kontext
Wie viele Mittelstädte in Deutschland steht auch Grevenbroich vor den Herausforderungen eines grundlegenden strukturellen Wandels. Die zentrale Lage im Rheinischen Revier – einer Region im Transformationsprozess – bringt nicht nur ökologische und ökonomische Umbrüche mit sich, sondern wirft auch neue Fragen an die zukünftige Entwicklung der Städte und ihrer Zentren auf. Die Innenstadt von Grevenbroich nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein: als Ort des täglichen Lebens, als Versorgungsraum, sozialer Treffpunkt und identitätsstiftendes Zentrum der Stadtgesellschaft. Gleichzeitig spiegelt sie die aktuellen Problemlagen: Leerstand, funktionale Monotonie, fragmentierte Räume und schwindende Aufenthaltsqualität wirken sich negativ auf Frequenz, Nutzungsdichte und Lebensqualität aus. Klimawandel, veränderte Mobilitätsbedarfe und der Wandel im Einzelhandel verschärfen diese Dynamik zusätzlich.

 

 

Modell der Innenstadt Grevenbroich

Maßnahmenkarten für den Beteiligungsprozess

Ko-kreative Planung für eine zukunftsfähige Innenstadt
Die Rahmenplanung der Grevenbroicher Innenstadt wurde als offener, ko kreativer Prozess organisiert. Bürger*innen, Verwaltung, Politik und weitere Akteur*innen arbeiteten gemeinsam mit uns an einer klaren Frage: Wie wird die Mitte der Stadt attraktiver, klimaangepasst und alltagstauglich? Zentrales Element der Beteiligung war ein großmaßstäbliches Stadtmodell als gemeinsame Arbeitsgrundlage. Darauf bauten „Maßnahmenspielkarten“ auf, die konkrete Themen, räumliche Ansätze und Strategien bündelten – etwa zu Grün- und Freiraumqualitäten, Mobilität, Nutzungsmischung oder Aktivierung von Erdgeschosszonen. In kleinen Gruppen wurden die Karten auf Schnitten verortet, unmittelbar am Modell diskutiert und zu räumlichen Skizzen weiterentwickelt. So entstanden greifbare Impulse: die Stärkung der Erft als landschaftlicher Anker, mehr Grün und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, bessere Radverbindungen und Querungen an stark befahrenen Achsen. Gleichzeitig wurden Leerstände im Bestand und Barrieren im Wegenetz klar benannt. Auf dieser Grundlage wurden erste städtebauliche Entwürfe in Varianten entwickelt und ein Strukturkonzept für die Innenstadt erstellt – mit Blick auf Dichte, Nutzungsmischung und klimaresiliente Freiräume.

Naturnahe und lebendige Erftpromenade

Den existierenden öffentlichen Raum nachhaltige stärken

Optimale Vernetzung der Innenstadt für alle Verkehrsteilnehmer:innen

Ostwall ist einladender und identitätsstiftender Stadtboulevard

Wohnbaupotentiale in der Innenstadt ausschöpfen

Nachhaltige Entwicklung von Neu-/Um-/Aufbauten

Leitbild für eine resiliente Innenstadt
Die Innenstadt von Grevenbroich verfügt über ein bemerkenswertes Entwicklungspotenzial – räumlich, funktional und atmosphärisch. Ihre Kompaktheit, die landschaftliche Prägung durch den Flusslauf der Erft, ein gut gegliederter öffentlicher Raum sowie zahlreiche innerstädtische Transformationsflächen bilden die Grundlage für eine lebenswertere, zukunftsfähige Stadtmitte. Freie Grundstücke, umnutzbare Bestandsgebäude und kurze Wege zwischen Wohnen, Erholung und Versorgung bieten ideale Voraussetzungen, um Grevenbroichs Zentrum nachhaltig weiterzudenken. Ziel ist es, durch neue Wohnangebote, qualitative Freiräume und eine stärkere touristische Attraktivität die Frequenz in der Innenstadt zu erhöhen – und dadurch Handel, Gastronomie und Begegnung zu stärken. Sechs zentrale Themenfelder wurden herausgearbeitet, die in Form von städtebaulichen Leitbildern, strategischen Zielen und konkreten Maßnahmen strukturiert wurden: Frei- und Grünraum, öffentlicher Raum, Vernetzung, Wohnraumpotenziale und nachhaltige Entwicklung. Das Strukturkonzept verdichtet sich in der Rahmenplanung zu einem dynamischen Fahrplan. Es zeigt auf, welche Räume priorisiert werden können – basierend auf Potenzial, Wirkung und Umsetzbarkeit. Die Planung bleibt dabei anpassungsfähig – sie gibt Orientierung und eröffnet Handlungsspielräume.

Lageplan für die Umgestaltung einer Anlieferungsstraße

Lageplan für die Umgestaltung des Ufers der Erft

Visualisierung Umgestaltung Erftufer

Schlüsselgrundstücke neu Entwickeln
Auf Grundlage der räumlichen Analyse und des intensiven Beteiligungsprozesses wurden zentrale Bereiche der Innenstadt identifiziert, in denen sich konkrete städtebauliche Handlungsmöglichkeiten bündeln. Diese sogenannten Fokusräume markieren Orte mit besonderem Entwicklungsdruck, hohem Potenzial oder strategischer Bedeutung für die Gesamtstruktur der Innenstadt. Sie zeigen exemplarisch auf, wo Stadtentwicklung konkret ansetzen kann – mit greifbaren Projekten, die kurzfristig initiiert, mittelfristig umgesetzt und langfristig wirksam werden können. Als räumliche Vertiefungen innerhalb des Rahmenplans bilden sie das verbindende Glied zwischen Leitbild, gesamtstädtischer Strategie und baulicher Realität – und eröffnen die Chance, die Transformation der Innenstadt punktuell und sichtbar einzuleiten.

Visualisierung: Anlieferungsstraße wird zu einer Wohnstraße