Ausstellung Optimistic Activism

Optimistic Activism

Ausstellung Optimistic Activism

Mit der vom Aedes Architekturform in Berlin organisierten Ausstellung Optimistic Activism Architecture, Urbanism and the Power of Generosity zeigt De Zwarte Hond, wie sich mit Großzügigkeit als strategischem Ausgangspunkt positive Veränderungen gezielt gestalten lassen. Die Ausstellung baut auf der Erfahrung aus 40 Jahren auf, in denen sich das Büro von einem etablierten Architekturbüro zu einem multidisziplinären Planungsstudio entwickelte. Dabei reicht der Blick über Architektur und Stadtplanung hinaus und erfolgt stets eine Verknüpfung mit gesellschaftlichen Fragen. Die zentrale Frage ist nicht mehr, warum wir handeln müssen, sondern wie und mit welchen Mitteln. Der Ansatz von De Zwarte Hond beruht auf dem Prinzip des optimistischen Aktivismus: optimistisch, weil Veränderung möglich ist; aktivistisch, weil die Veränderung notwendig ist. Großzügigkeit ist der Kern dieser Arbeitsweise – sowohl in räumlichem als auch in sozialem Sinn. Die Ausstellung bei Aedes ist auf zwei Räume aufgeteilt. HOW zeigt den kollaborativen Ansatz des Büros mit besonderem Augenmerk auf Inspiration sowie Referenzen, die in einer Rauminstallation mit Videos und einer Zeitschiene dargestellt werden. WHAT präsentiert zwölf Projekte anhand von Modellen, Zeichnungen und Fotos und zeigt, wie bei realisierten Gebäuden gesellschaftliches Engagement, Gestaltungskompetenz und handwerkliches Können zusammenwirken. In der Gesamtschau zeigen sie, wie die Arbeitsweise und die Projekte von De Zwarte Hond optimistische Energie erzeugen – eine Energie, die zu Orten führt, die Menschen zusammenbringen und das Gemeinschaftsleben bereichern.

data

Ort
Berlin, DE
Umfang
260 m²
Auftraggeber
De Zwarte Hond
Disziplin
Architektur, Städtebau, Strategie
Programm
Publikationen & Ausstellungen
Periode
2025
Status
Abgeschlossen
Partner
Architekturforum Aedes

Warum stellt sich nicht mehr die Frage nach dem Warum?
Mit den berühmten Worten „No more blah blah blah“ äußerte Greta Thunberg 2021 bei der COP26 scharfe Kritik an leeren Versprechen und administrativer Trägheit beim Angehen der Klimakrise. Die Aufforderung war eindeutig: weniger Worte, mehr Taten. Die Zeit des Aufschiebens ist vorbei.

Deshalb lautet die Frage nicht mehr, warum müssen wir handeln, sondern wie und mit welchen Mitteln (was). Die Herausforderungen sind bekannt: die Verkleinerung der Kluft zwischen Arm und Reich und das Vorgehen gegen den Klimawandel, damit wir gesund das 22. Jahrhundert erreichen.

Die Herangehensweise von De Zwarte Hond an diese Aufgaben beruht auf einem optimistischen Aktivismus – optimistisch, weil Veränderung möglich ist; aktivistisch, weil die Veränderung auch tatsächlich erreicht werden muss.

HOW
HOW zeigt die kollaborative Arbeitsweise von De Zwarte Hond und eine „Wolke“ mit der Arbeit des Büros zugrunde liegenden Referenzen, Ereignissen und Inspirationsquellen. Gleichzeitig steht HOW für das großherzige Teilen von Wissen und Expertise – innerhalb des Büros und mit externen Parteien, Mitarbeitenden, Beratenden und Auftraggeberinnen und Auftraggebern.

Drei Videos nehmen die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Reise entlang der Hauptinspirationsquellen des Büros, dargestellt in drei kurzen Erzählsträngen: Craftsmanship, Togetherness und Open City.

CHROMOSOMES
Das Büro De Zwarte Hond entwickelte sich in vierzig Jahren zu dem, was es heute ist. Diese Entwicklung basiert nicht auf einer bestimmten Idee oder Einzelurheberschaft, sondern auf einer Abfolge von Ereignissen: Begegnungen, Entdeckungen, Inspirationen, Kooperationen, Projekten – und den vielen Kolleginnen und Kollegen, die das Büro im Laufe der Jahre geprägt haben. Chromosomes stellt dieses Netzwerk dar und bietet einen Einblick in die Büroentwicklung. Das Ergebnis ist eine schematische Momentaufnahme der „Chromosomen“, die De Zwarte Hond definieren. Morgen sieht es anders aus, und das versetzt uns in die Lage, neue Fragen zu beantworten. Wir lernen jeden Tag dazu.

WHAT
WHAT präsentiert zwölf für die Praxis und Arbeitsweise von De Zwarte Hond beispielhafte Projekte. Jedes Projekt zeigt, wie sich der Ansatz des Büros in Planung, Strategie und Realisierung niederschlägt.

Die Projekte variieren in der Größe – von strategischen stadtplanerischen Visionen für Tempelhof in Berlin bis hin zu einem markanten Superhub aus Holz in Groningen einschließlich allem, was dazwischenliegt – und sie werden anhand von sorgfältig ausgewählten Modellen, Zeichnungen, Materialien und Fotos präsentiert. In Verbindung mit einer fortlaufenden Wandzeichnung entsteht ein kohärentes Bild, das aufzeigt, wie räumliche Ziele und gesellschaftliches Engagement in konkrete Projekte übertragen werden. WHAT veranschaulicht, wie handwerkliches Können, Expertise, Wissen und Zusammenarbeit bei der Realisierung von Gebäuden und Strategieplänen zusammenwirken.

Powers of Ten“ von Charles Eames und Ray Eames

Die Auswirkungen des Verkehrs­zirkulationsplans von 1977 auf Groningen. Dieser Film wurde für die Ausstellung Bold Cities Brave Decisions produziert.

DNA
Die Denk- und Arbeitsweise von De Zwarte Hond basiert auf der immerwährenden Neugier darauf, wie andere arbeiteten und arbeiten. De Zwarte Hond hat unzählige Mentorinnen und Mentoren, die oft unbewusst einen Beitrag dazu geleistet haben, wer wir heute sind. Näher beleuchten werden wir hier drei Einflüsse:

Powers of Ten
Der auf dem Buch Cosmic View von Kees Boeke basierende Film Powers of Ten von Charles und Ray Eames zeigt, dass jeder Maßstab seine eigene Struktur und Schönheit hat, aber alle Maßstabsebenen miteinander verbunden sind. Bewusst auf all diesen Ebenen zu agieren, erfordert Wissen und handwerkliches Können: Ein Eingriff in einem Maßstab beeinflusst immer auch die anderen. Ein einzelnes Fenster kann die Wahrnehmung eines Innenraums verändern, während Maße und Form eines öffentlichen Raums für das Erleben eines Gebäudes bestimmend sein können – und umgekehrt.

De Zwarte Hond ist bewusst, dass die Gestaltung dieser Beziehungen ständige Übung, Reflexion und Dialog erfordert. Deshalb wird jedes Thema mit eigener Fachkompetenz und Expertise auf jeder Maßstabsebene sorgfältig aus mehreren Perspektiven untersucht, erprobt und entwickelt.

Groningens öffentlicher Raum im Sinne von Hannah Arendt
Hannah Arendt definierte öffentlichen Raum als die Arena, in der Menschen als Gleiche unter Gleichen aufeinandertreffen und Pluralität sichtbar wird. Für sie ist der öffentliche Raum nicht nur physisch vorhanden, sondern auch symbolisch: Er ist der Ort, an dem gemeinschaftliches Leben Gestalt annimmt. Das Verkehrskonzept von Groningen aus dem Jahr 1977, das die Verkehrsberuhigung in der Innenstadt bewirkte, kann als Neugestaltung des öffentlichen Raums im Sinne von Arendt betrachtet werden. Autos wurden verbannt und dadurch konnte die Stadt wieder dem gemeinschaftlichen Erleben dienen.

Genau wie Hannah Arendt betrachtet De Zwarte Hond die Stadt als Bühne für menschliche Vielfalt, auf der Zusammenleben in physischen Strukturen sichtbar wird.

Dieser Film wurde für die Ausstellung Mutige Städte, mutige Entscheidungen gemacht und er zeigt die Auswirkungen des Verkehrskonzepts von 1977 auf die städtische Qualität von Groningen auf.

Herbie Hancock über die Großzügigkeit von Miles Davis
Ein Filmfragment zeigt die Kraft der Großzügigkeit, veranschaulicht durch eine Geschichte von Herbie Hancock. Bei einem Auftritt spielte er in einem Solo einen falschen Akkord, woraufhin Miles Davis, statt ihn zu korrigieren, eine Phrase spielte, die dem Akkord eine Bedeutung verlieh. Keine Zurückweisung, keine Korrektur, sondern eine Antwort, die dem Unerwarteten Raum gab und es unterstützte. „Ich weiß nicht, wie er das gemacht hat, aber er verwandelte mein Gift in Medizin“, so Hancock.

Im raumplanerischen Bereich entsteht Trägheit oft dadurch, dass Fehler oder Unzulänglichkeiten vergrößert oder gemieden werden. Die Aufmerksamkeit verlagert sich dann von dem, was möglich ist, auf das, was nicht stimmt. De Zwarte Hond entscheidet sich genau wie in der Geschichte von Hancock und Davis für eine andere Betrachtungsweise: Nicht steckenbleiben in dem, was schiefgeht, sondern es als Ausgangsbasis auffassen. Was sich ergibt – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – wird ernst genommen und als Bestandteil des Planungsprozesses eingesetzt. So entsteht Raum, um weiter zu denken, und Bestandssituationen zu bereichern, statt sie zu korrigieren.

Wir können alle von Miles Davis‘ Können in seinem Fach lernen – wie man gegenseitig Fehler beheben kann, ohne sie explizit zu korrigieren.

Werte
Die Trilogie Homo Faber von Richard Sennett – The Craftsman, Together und Building and Dwelling – untersucht, wie Menchen ihrem Leben über Arbeit, Zusammenarbeit und das städtische Lebensumfeld Bedeutung verleihen. De Zwarte Hond erkennt darin seine eigenen Werte wieder: Prinzipien, die unserer Arbeitsweise und dem, was wir erreichen wollen, den Weg weisen.

Handwerkliches Können
Handwerkliches Können ist der menschliche Antrieb, etwas um der Sache selbst willen gut zu machen. Denken und Tun sind eng verknüpft; Fähigkeit, Engagement und Kreativität sind für bedeutungsvolle Arbeit sehr wichtig. Gute Arbeit mit Augenmerk und Sorgfalt zu leisten, stärkt unsere Verantwortung gegenüber anderen und der Gesellschaft. Bei De Zwarte Hond lernen wir vor allem durch Machen, bleiben wir neugierig und prüfen ständig unsere Arbeit. So vermeiden wir Stillstand und entwickeln uns weiter.

Zusammenarbeit
Projekte werden immer komplexer: Material- und Personalknappheit, Einpassung in städtische oder landschaftliche Kontexte, Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Aufgaben und die Notwendigkeit von Akzeptanz und Unterstützung erfordern Zusammenarbeit. Sennett zeigt auf, dass Zusammenarbeit ein Handwerk ist: Zuhören, Empathie zeigen und anderen Raum geben, erfordert Übung und Erfahrung. Wir bei De Zwarte Hond schätzen diesen Prozess und ernten neue Erkenntnisse, Lösungen und manchmal sogar neue Freundschaften.

Offene Stadt
Sennett plädiert für eine „offene Stadt“, in der man die Komplexität des Alltagslebens begrüßt und Begegnungsorte entstehen, die Zusammenarbeit und Verständnis statt Segregation fördern. De Zwarte Hond überträgt das auf Architektur und Stadtplanung, indem wir Räume entwerfen, die gemeinsames Erleben, Wissensaustausch und Gemeinschaft fördern und auf inklusive Städte und demokratisches Engagement abzielen.

Katalog
In Zusammenarbeit mit Aedes Architecture Forum ist zudem eine umfangreiche Publikation erschienen: Optimistic Activism – Architecture, Urbanism and the Power of Generosity. Mit dieser Veröffentlichung sind wir Teil der international renommierten Ausstellungskatalogreihe von Aedes geworden, die inzwischen mehr als 400 Titel umfasst. Bestellen Sie das Buch im Webshop.

Suppe und Brot
Mit dem Konzept Suppe und Brot nimmt De Zwarte Hond die Metapher von Hannah Arendt wörtlich: Menschen kommen an einem Tisch zusammen und teilen Ideen, Erfahrungen und Überzeugungen – ein Ort der Verbindung und der Unterscheidung. Im Gespräch geht es nicht um Konsens, sondern darum, zusammen eine gemeinsame bedeutungsvolle Welt zu gestalten.

Dafür hat De Zwarte Hond die Geschirrserie Ensemble in Zusammenarbeit mit Cor Unum entworfen, einem Keramikatelier in ’s-Hertogenbosch, in dem Designer, Ehrenamtliche, Profis und arbeitsmarktferne Menschen gemeinsam bedeutungsvolle Objekte schaffen.