Wilhelmshaven: grün-blaue Verbindungswege

Wie profitiert eine Innenstadt vom Tourismus am Meer?

Wilhelmshaven: grün-blaue Verbindungswege

Wilhelmshaven bezeichnet sich seit seiner Gründung als „grüne Stadt am Meer“. Vor allem die beiden Pole am Südstrand und in der Innenstadt ziehen viele Menschen an. Während sich Massen von Touristen zum Südstrand bewegen, kämpft die Innenstadt in der Umgebung des Bahnhofs mit zunehmendem Leerstand. Wie können sich die beiden Gebiete gegenseitig stärken? Im Auftrag von Wirtschaft Wilhelmshaven, einer Organisation mit der Stadt Wilhelmshaven und dem Wirtschaftsförderungsverein Jade e. V. als Teilhabern, erstellte De Zwarte Hond eine strategische Vision für die Entwicklung von Wilhelmshaven. In der Analyse war eine der Kernfragen, wie sich verschiedene Nutzergruppen durch die Stadt bewegen. Touristen wollen möglichst schnell zum Wasser und begeben sich direkt zum Hafen oder Meer. Die Bürgerinnen und Bürger dagegen, die ihre Stadt gut kennen, wollen schnell von A nach B und wählen häufiger eine direkte, weniger spektakuläre Route durch die Südstadt. Diese unterschiedlichen Bewegungsmuster wurden in verschiedene Arbeitsmodelle übertragen: eine kulturhistorische Achse, mit der die Qualitäten der Südstadt hervorgehoben werden; den Haven als Zentrum; einen grünen Ring mit Schwerpunkt auf Freiflächen als grünem Band. Diese Modelle dienten zur Verdeutlichung von Qualitäten, Anregung von Diskussionen und Ableitung strategischer Entwicklungsrichtungen. Das Zusammenspiel zwischen den Modellen führte zu einer Vision, die sich auf den Großen Hafen und die Südstadt als wichtige Bindeglieder zwischen Stadt und Meer konzentriert, mit einem Maßnahmenpaket für die nächsten Jahre, zum Beispiel einer maritimen Passage und Programmen zur Aktivierung des Hafenkais. Aus Bewegung wird Erleben und die Identität von Wilhelmshaven als grüne Küstenstadt mit hoher Lebensqualität wird gestärkt.

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Ort
Wilhelmshaven, DE
Umfang
210 ha
Auftraggeber
Wirtschaftsförderungsgesellschaft Wilhelmshaven
Disziplin
Städtebau, Strategie
Programm
Entwurfsbasierte Forschung, Gewerbe & Büros, Masterplanung, Urbanisierungsstrategie
Periode
2026
Status
Abgeschlossen, In Entwicklung

Viele räumliche Barrieren versperren den Weg zum Wasser

Valoisplatz: starke Versiegelung in der Innenstadt

Heutige Dynamik und Problembereiche
Obwohl Wilhelmshaven mit seiner Bebauung aus der Gründerzeit, seiner Lage am Nationalpark Wattenmeer und vielen Grünbereichen durchaus attraktiv ist, konzentrieren sich viele Touristen ausschließlich auf den Museumshafen und meiden die Innenstadt. Das liegt unter anderem am öffentlichen Raum, der an Aufenthaltsqualität verliert, da Nutzungen fehlen, die Leben mit sich bringen.
Zwei Beispiele sind der zentrale Valoisplatz und die Hafenpromenade: Zunehmender Leerstand in den Erdgeschosszonen, zahlreiche brachliegende Grundstücke, viel motorisierter Individualverkehr und Knappheit im kommunalen Haushalt verstärken die funktionale und räumliche Verwahrlosung des öffentlichen Raums. Aufgrund mangelnder Aufenthaltsqualität bleiben Gäste und potenzielle Passanten fern. Doch gerade sie könnten einen Beitrag zur Belebung der Innenstadt leisten.

Potenziale und Mängel: viel Grün und Wasser, aber auch viele brachliegende Gelände, viele Parkplätze und fehlende Kohärenz
Wilhelmshaven hat mit seiner Lage am Wasser und einem vielfältigen Netz von Grünstrukturen starke räumliche Qualitäten. Doch dieses Potenzial wird nicht genug genutzt. Über die ganze Stadt sind brachliegende Gelände und ausgedehnte Parkplätze verstreut, die dazu führen, dass der räumliche Zusammenhang gestört wird und die Aufenthaltsqualität unter Druck gerät. Außerdem sind physische Barrieren und eine mangelhafte Verbindung zwischen Innenstadt, Hafen und Südstrand Hindernisse für eine logische und attraktive Stadtstruktur. Die Stärkung und Verbindung von Grünstrukturen, die Aktivierung von Routen am Wasser entlang und die Neuentwicklung zu wenig genutzter Orte bieten die Chance, ein besseres Funktionieren der Stadt zu erreichen und die Sichtbarkeit und Erlebbarkeit ihrer Qualitäten zu verbessern.

Meinungsumfrage über Swipocratie

Besprechung der Arbeitsmodelle in einem Workshop mit Bürgerinnen und Bürgern, der Stadt und der Politik

Welche Ideen sind am beliebtesten

Es gibt nicht nur eine Route, sondern drei

Beteiligungsprozess auf dem Weg zur Vision
Das Zustandekommen der Vision wurde von einem umfangreichen Beteiligungsprozess begleitet. Ein erstes breites Meinungsbild wurde über die App Swipocratie eingeholt, über die mehr als 2.600 Teilnehmende gefragt wurden, wo sie sich gern aufhalten, wie sie sich fortbewegen und was sie sich für die Stadt wünschen.
Die Umfrage ergab, dass Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen unterschiedliche Routen nutzen. Jede Route hat einen eigenen Themenschwerpunkt. Deshalb wurden drei Arbeitsmodelle entwickelt, die zusammen das ganze Spektrum abdecken.
Für die einzelnen Modelle wurde ein Routentyp ausgearbeitet: eine direkte Route, eine Freizeitroute und eine maritime Route, die jeweils mit einem spezifischen thematischen Arbeitsmodell verknüpft sind. Diese Modelle wurden anschließend in einem Workshop mit Bürgerinnen und Bürgern, der Stadt und der Politik diskutiert.
Aus diesen Modellen destillierte Elemente bilden die Grundlage für die letztlich entwickelte Vision.

Arbeitsmodell Kulturhistorische Achse

Arbeitsmodell Grüner Ring

Arbeitsmodell Hafen als Zentrum

Vision zu einer besseren Verbindung
Die Vision beschreibt den langfristigen Masterplan für eine Verbindung zwischen Innenstadt und Südstrand, die beide Orte räumlich, funktional und atmosphärisch stärker miteinander verknüpft.
Im Masterplan werden die Hauptthemen und -ziele aus den drei intensiv diskutierten Arbeitsmodellen Kulturhistorische Achse, Hafen als Zentrum und Grüner Ring zusammengeführt und gegeneinander abgewogen und es wird darauf aufbauend eine gemeinsame Zukunftsvision formuliert.
Der Kern der Vision ist ein System aus mehreren Themenrouten mit eigenem Charakter und spezifischer Erlebnisqualität, die wichtige Orte in der Stadt miteinander verbinden und zum Wasser führen.
Das Ergebnis ist eine Vision, die den Großen Hafen und die Südstadt als natürliche Bindeglieder zwischen Stadt und Meer positioniert und strategische Erkenntnisse in ein zusammenhängendes Paket von Maßnahmen wie beispielsweise einer maritimen Passage und einem belebenden Nutzungsprogramm am Hafenkai überträgt. Dies führt dazu, dass das Meer spürbar in die Stadt hineinreicht, Bewegung in Erleben übergeht und die Identität von Wilhelmshaven als grüne Küstenstadt mit hoher Lebensqualität gestärkt wird.

Wie könnten wichtige Orte in der Zukunft aussehen?

Räumliche und funktionale Stärkung von Bindegliedern

Nutzungsprogramm am Rande des Hafens aktiviert und wirkt anziehend

Gäste über eine maritime Passage direkt zum Wasser lenken

Südzentrale zu einer städtischen Schaltstelle weiterentwickeln

Den Großen Hafen aktivieren und für Wohnen auf dem Wasser nutzen

Den verlassenen Börsenplatz im Stadtzentrum mit einer Achse Richtung Wasser verbinden